Leid und Hoffnung

Die Überschrift klingt wie der Titel eines Romans von Jane Austen, ist aber die Zusammenfassung meines bisherigen Klinikaufenthaltes.
Das Leid hat zum Glück nicht wirklich viel mit mir zu tun. Klar tut mir ab und zu mal der Rücke weh (was anscheinend noch mit der Lumbalpunktion zusammenhängt). Natürlich sehe ich immer noch schlecht, sobald ich mich mehr als 10 Minuten bewege. Aber das macht mir nichts aus, da ich hier sehr zufrieden und glücklich (wenn auch etwas einsam) bin. Ich habe einen straffen Therapieplan, der hauptsächlich Ausdauer, Muskelaufbau der Beine, Koordinationstraining, Einzelgymnastik, Massagen und Entspannung beinhaltet.
Es ist schön für mich, einen Plan zu haben, nach dem ich handeln kann. Denn sonst läuft in meinem, sonst sehr stark strukturierten und geplanten, Leben ja leider im Moment so ziemlich nichts nach Plan. Das bringt mich zwar auf die Palme aber ich muss lernen, mehr auf mich zu achten, weniger gestresst zu sein, wenn etwas nicht so läuft, wie ich gedacht hatte und einfach spontaner zu sein.
Das Leid, was ich hier allerdings in den Gesichtern der Menschen sehe, welche hier sind auf Grund eines Schlaganfalls und das Lesen und Sprechen neu lernen müssen, an Anderen, welche einen Tumor im Kopf hatten oder die unzähligen Menschen hier, denen ein Körperteil amputiert wurde oder welche wegen starken Verbrennungen hier sind, ist unerträglich. Jeder zweite Patient hier fährt im Rollstuhl oder muss auf Krücken laufen, da er es aus eigener Kraft nicht schafft..Ich habe mir vorher schon gedacht, dass ich viel ‘Elend‘ sehen werde aber es schmerzt Tag zu Tag mehr, so viele traurige Menschen zu sehen.
Und dann gibt es Hoffnung. Hoffnung in denjenigen, die vor 4 Wochen hier im Rollstuhl ankamen und heute die Klinik mit Krücken verlassen. Hoffnung in denjenigen, die sich den Lebensmut nicht nehmen lassen. In denjenigen, die ihrer Krankheit und ihrem Leiden den Kampf angesagt haben und der Menschheit zeigen wollen, dass das Schicksal es zwar auf ihr Leben abgesehen hat aber dass sie sich davon nicht unterkriegen lassen. Und zu guter Letzt sehe ich Hoffnung in den wunderbaren Menschen, die ich bisher schon kennenlernen durfte und die ebenso mit dieser sch*** Krankheit (meist seit Jahren) zu kämpfen haben und trotzdem total munter, agil, lebensfroh und aufgeweckt sind und mir Mut machen, dass es alles nicht so schlimm wird, wie es scheint.
Auch, wenn ich am Anfang eher geknickt war, dass ich für 4 Wochen alleine zu einer Reha muss, bin ich jetzt sehr sehr zufrieden und weiß, dass ich Zuhause die größte Unterstützung meiner Familie, meines Freundes und meiner Freunde habe und den Aufenthalt hier ohne schlechtes Gewissen genießen kann. Danke!

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