Intensivierte Rehabilitations-Nachsorge

Nun ja, gestern war mein erster Tag bei der IRENA. Das ist eigentlich letztendlich so etwas wie eine ambulante Reha mit der Ausnahme, dass es berufsbegleitend stattfinden soll.

In Bad Klosterlausnitz hat mir eine Patientin erzählt, dass ihre Freundin es damals abbrechen musste, da es ihr zu viel Stress war.

Haha, ich bin Studentin, wie könnte MIR das zu stressig sein?

Hm. Ich lag gestern Morgen eine Stunde vor dem Wecker wach und habe darüber nachgedacht wie ich meine Termine am besten absagen könnte, ohne dafür belangt zu werden und ohne mein schlechtes Gewissen zu groß werden zu lassen. Ich konnte nicht mal sagen, dass es mir schlecht geht, da es mir eigentlich in letzter Zeit bis auf ständige Übelkeit und Schwindel (nein, Mama und Papa, ich bin NICHT schwanger) recht gut geht. Bei einem Gefühlsausbruch, bei dem ich dann heulend am Frühstückstisch saß und mein Freund mich beruhigen musste, erklärte ich ihm, dass es mir jetzt schon, ohne jemals dagewesen zu sein, zu stressig ist, dort jeden Donnerstag und Freitag hinzufahren.

Lange Rede, kurzer Sinn. 09:23 Uhr saß ich in der Straßenbahn in Richtung der MEDIAN-Klinik in Leipzig. Nach der Anmeldung habe ich meinen Spindschlüssel bekommen, bin durch dieses riesige Gebäude geirrt und bin dann nach dem Umziehen als erstes zum MTT gegangen. MTT – medizinische Trainingstherapie kannte ich schon aus meiner Reha. Es ist einfach nur ein Fitnessstudio, bei dem man betreut wird und darauf Acht gegeben wird, dass keiner tot umfällt. Das war bei mir zum Glück nicht der Fall und auch die Umstehenden sahen recht lebendig aus. Nach Laufband, Ergometer, Gleichgewichtsübungen und Beinpresse war auch schon eine Stunde rum und es ging weiter.

Ich irrte wieder durch die Gänge, gab einen Schlüssel ab, bekam den nächsten und schmiss mich in meine Badekleidung für das Bewegungsbad. Ich hatte mir irgendwie so etwas vorgestellt wie in Klosterlausnitz – Wassergymnastik. Das Gegenteil war der Fall: Es war ein kleines Schwimmbecken, was in der Quadratmeterzahl nicht die unserer Küche überschreitet und wir waren auch nur zwei Patienten. Es wurden Übungen auf die Person angepasst, die dieser am besten helfen können. So musste ich beispielsweise mit meinem linken (mittlerweile halb abgestorbenen) Bein ein Brett beim Laufen herunterdrücken, das natürlich dazu neigt, mit vollem Karacho hochzuschnellen und mir in mein Gesicht zu fliegen. Aua.

Nach dem Umziehen konnte ich auch schon nach Hause gehen und habe mich so gefühlt, wie ich es am Anfang des Tages niemals erwartet hätte: gut und zufrieden. Die Therapeuten und Angestellten waren alle absolut lieb und haben geholfen, wo es nur ging.
Das Einzige, was mich sicherlich auch in den nächsten Wochen stören wird ist die halbe Stunde Fahrt zur Klinik. Aber so ist es nun mal, wenn man sich dafür entscheidet, in dieser wunderschönen Stadt leben zu wollen.

Am Abend kam dann allerdings die größte Überraschung per E-Mail: Ich habe eine der Nachprüfungen mit Bestnote bestanden. Ich habe noch nie vor Freude geweint aber es muss ja für alles ein erstes Mal geben. Nach all dem Ärger, der Diagnose, den Therapien, den verzweifelten Stunden habe ich mich endlich mal weider richtig gut gefühlt; als könnte ich alles schaffen. 

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