Zeit der Veränderungen

Nach genau 3 Wochen Abstinenz melde ich mich zurück zum Dienst.

Innerhalb dieser Wochen ist viel passiert, wie ich euch ja bereits in meinem kurzen Statement zu verstehen gegeben habe. Ich weiß auch ehrlich gesagt überhaupt nicht so recht, wo ich anfangen soll…

Wie ihr sicherlich schon mitbekommen habt, sind wir am 31.08. heile und vollständig wieder in Deutschland gelandet und haben uns gleich bei meinen Eltern häuslich eingerichtet. Es tat und tut immer noch gut, am Abend einfach ein dunkles Brot mit ein wenig Käse zu essen. Dieses Weißbrot ging uns nach ganzen 6 Wochen deutlich auf den Zeiger!

Am Freitag, einen Tag nach unserer Anreise, hatten wir jeweils unsere endgültigen Gespräche in unseren Praktikumsschulen und starteten am Montag voller Elan in unseren Schulalltag. Es hat mir wirklich Spaß gemacht, mich mit den Schülern auseinanderzusetzen und zu sehen, wie andere Lehrer bzw. Lehrer allgemein ihren Schützlingen die Unterrichtsinhalte vermitteln. Doch schon am dritten Tag merkte ich, dass irgendetwas nicht stimmt.

DAM DAM DAAAM..

Ich merkte nach einigen Stunden in der Schule, in denen ich hospitierte, dass ich immer verschwommener sehe und dass es immer schwieriger wird, mit meinen Beinen zu den Schülern zu gehen, um ihnen zu helfen. Bitte, Bratwurst, verpiss dich. ich möchte doch nur einen Einblick in meinen zukünftigen Beruf bekommen… 

Pustekuchen.

Ich erkannte relativ schnell, dass es nicht funktionierte. Dass ich, wenn ich nicht einmal den Lehrern dabei zuschauen kann, wie sie die Schüler unterrichten, erst recht nicht selber vor 20 Kindern stehen kann und ihnen beibringen kann, wie sie beispielsweise das simple past bilden oder wann und wann kein trennendes h angewandt wird. Mein Plan wurde durchkreuzt. Mal wieder. Ich musste eine Alternative finden. Mal wieder. Ich war gescheitert. Leider. Mal wieder..

An diesem (dritten) Tag meines Praktikums verließ ich weinend die Schule und wusste nicht so recht, was ich mit mir anfangen soll. Wie sollst du das deinem Freund erklären? Wie deinen Eltern, deiner Oma, deinem Bruder, deinen Freunden, deinen Kommilitonen? Wie zum Teufel? Wie würde jemals jemand verstehen, dass du nicht einmal dazu in der Lage bist, anderen bei der Arbeit zuzugucken? Mein Magen drehte sich um, meine Luft wurde mir von einem unsichtbaren Band abgeschnürt und ich kam ernüchtert, traurig und wütend nach Hause.
Ich erzählte meinem Freund, dass ich das Lehramtsstudium nicht weiterführen kann, dass ich keine Kraft dazu habe. Dass ich den Fehler in den vergangenen 9 Monaten seit der Diagnose oft genug gemacht habe, weiterzumachen, obwohl jegliche Kraft dafür fehlte.
Er nahm mich in den Arm und sagte:

 ,,Swenni, wir schaffen das schon. Ich, nein, wir stehen hinter dir. Egal, was ist. Wir schaffen das.“

Als meine Mama nach Hause kam, sah sie mir (wie das bei Müttern nun einmal so ist) an der Nasenspitze an, dass etwas nicht stimmte. Ich erzählte ihr die ganze Geschichte, meine Befürchtungen, Ängste, von dem Gefühl, zu nichts fähig genug zu sein und beruhigte mich letztendlich unter Tränen in ihren warmen Armen.

Wie macht man nun weiter, wenn man feststellt, dass das eigentliche Studium nicht weitergeführt werden kann und man unter keinen Umständen zurück in den gelernten Beruf als Hotelfachfrau kann? Ich meine, es ist sicherlich für euch alle verständlich, dass diese Belastung körperlich noch eine viel größere für mich wäre.
Ich schrieb also erst einmal dem Prüfungsamt, dass ich das Lehramtsstudium abbrechen möchte aber eigentlich weiter die zwei Sprachen, die mich so sehr interessieren, studieren möchte.
Ich fühlte mich wie ein Nichtsnutz. Ich kann eigentlich nichts anderes so wirklich gut. Außer reden. Und schreiben. Also freundete ich mich relativ schnell mit dem Gedanken an, dass ich mich auf das Schreiben spezialisieren möchte. Auf das Schreiben über meine Geschichte, meine Krankheit, vielleicht auch übere fiktive Dinge. Einfach darauf, das aufzuschreiben, was in meinem, von der Bratwurst zerfressenen, Hirn vor sich geht.

Und was eignet sich da besser als ein Bachelor-Studium im Fach Germanistik?

Ich belas mich und merkte zum Glück, dass ich nicht so viel Zeit verloren hatte, da ich mir so ziemlich alles, was ich in den vergangenen zwei Semestern an Prüfungen abgelegt habe, für das neue Studium anrechnen lassen kann.

Doch bevor ich mir weiterführende Gedanken darüber machen konnte, meinte meine Gesundheit es (mal wieder) nicht gut mit mir..

Natürlich hatte ich gemerkt, dass ich starke Halsschmerzen habe (und mir dagegen für unverschämte 9 € unbrauchbare Halstabletten gekauft) und natürlich hatte ich am Abend gemerkt, dass meine Nase verstopft ist. Aber mit dem, was in der darauffolgenden Nacht passierte, hatte ja nun wirklich keiner gerechnet.

Was ist denn nun los? Wieso bist du wach? Es scheint mitten in der Nacht zu sein..

Und bevor ich noch mehr denken konnte, landete mein kompletter Mageninhalt um halb 2 in der Nacht vor dem Bett. Ich rannte (wobei es eher ein undefinierbares Taumeln war) auf die Toilette und merkte schnell, dass ich aus eigener Kraft nicht mehr dort wegkomme. Ich schrie so laut wie es in meinem Zustand ging und nach einigen Minuten kam meine Mama ins Bad gerannt und schleifte mich mit in ihr Schlafzimmer, wo ich mich (zur Freude aller) noch einmal übergeben musste. Ich schlug vor, einen Krankenwagen zu rufen, da ich mir nicht sicher war, was mit mir geschah. Kommt das jetzt von der MS?
Wir entschieden uns dagegen. Der folgende Tag lief jedoch nach dem gleichen Schema wie die vorangegangene Nacht ab und nicht einmal der Tee wollte in meinem Körper bleiben. Geschweige denn meine teuren Tabletten…

5 Tage später traute ich mich, nach Leipzig zu fahren, um mit dem Prüfungsamt zu reden. Ich möchte nicht allzu optimistisch sein, doch wie es klingt, kann ich bereits zum kommenden Semester den Bachelor-Studiengang antreten und muss mir keine Sorgen um weiteren Zeitverzug machen.

Und wieder einmal bitte ich euch darum, JETZT 3 Mal auf Holz für mich zu klopfen.

Danke!

PS: An dem Tag vor der verheerenden Nacht hatte ich einen Termin bei Kali. Doch das ist eine andere Geschichte…

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