geteiltes Leid ist doppelter Mist

Im Moment fühle ich mich wie nichts Halbes und nichts Ganzes. Ich bin allgemein unzufrieden mit meiner Gesamtsituation, wobei ich eigentlich kaum einen Grund dafür habe.
Wir sind bis Ende dieser Woche noch bei meinen Eltern und fahren dann am Montag wieder zurück in unsere Wohnung nach Leipzig.

  1. Mein Wechsel in das Bachelor-Studium hat ohne Probleme geklappt, jedoch ist die Einschreibung in die Module etwas komplizierter als beim Lehramt, was die Planung ziemlich schwierig macht. Und ihr wisst, dass ich geplante Verhältnisse liebe – aber auch damit werde ich mich anfreunden können. Vielleicht. Irgendwann.
  2. Ich weiß, dass ich mich im Moment zu wenig bewege und merke auch die Auswirkungen – nämlich die Tatsache, dass ich weniger Kraft in meinen Beinen habe und mich auch allgemein total unausgeglichen fühle.. Ich kann mich aber nicht motivieren, da..
  3. die Fatigue mich ordentlich in ihren Klauen gefangen hat. Seitdem ich nach dem Abbruch des Praktikums keine wirkliche Aufgabe mehr hier habe, kann ich mich zu nichts motivieren. Meine beste Freundin hat mir Saft mit extra Eisen empfohlen, da das bei ihr gegen dauernde Erschöpfung half. Aber nach 2 Wochen bringt das leider immer noch keine Besserung. Außerdem habe ich gelesen, dass Eisen zur Bildung roter Blutkörperchen beiträgt. Warum das ein Problem ist, erzähle ich euch gleich.
  4. Ich habe fast ununterbrochen Bauchschmerzen und keine Ahnung, ob das von meinen Tabletten kommt oder aus einem anderen Grund auftritt. Hoffentlich verschwindet es einfach von alleine. Mehr kann ich im Moment wirklich nicht gebrauchen.

Also ist alles gerade nicht so prickelnd.
Doch ich habe euch ja noch gar nicht von dem Termin bei Kali erzählt…

An sich ist die Quintessenz, dass alles soweit gut ist, ich das Tecfidera und auch das Levetiracetam gut vertrage. Ich bin seit der letzten Erhöhung vor einigen Monaten wirklich anfallsfrei und das ist ein gutes Zeichen. Vom Autofahren rät sie mir wegen der Spastiken im Bein und der geringen Sehkraft ab (das hatte ich leider auch schon selber entschieden, dass das keine gute Idee wäre). Wir wollen bald gemeinsam einen Antrag auf Behinderung stellen, da wir wohl ‚gute Chancen auf einen hohen Prozentsatz‘ hätten.

Jetzt ist ja auch noch die Epilepsie dazugekommen, das ist ja super! Da haben wir richtig gute Sachen, die wir denen vorlegen können und mit denen Sie wahrscheinlich mindestens 40 % erst einmal bekommen werden.

Ok, meine Epilepsie ist also diesbezüglich super. Man muss ja schließlich immer die positiven Seiten sehen.
Weiterhin meinte sie, dass mein Körper zu viele rote Blutkörperchen produziert und sie aber den neuen Bluttest abwarten will, um das zu bestätigen. Was genau das für mich bedeutet, weiß ich nicht. Gegoogled habe ich lieber nicht, da einem die Ergebnisse eh grundsätzlich nur Angst einflößen. Also lasse ich erstmal den Saft mit dem Eisen weg, damit zu den zu vielen Blutkörperchen nicht noch mehr dazukommen. Keine Ahnung, ob das so einfach ist, wie ich mir das vorstelle.
Von einer Hippotherapie (einer Art medizinischem Reitens) hat sie mir aufgrund des Selbstzahlens und der Tatsache, dass dies nur einmal wöchentlich ist, abgeraten. Dafür habe ich erst einmal 10 Mal Physiotherapie, welche zwei mal wöchentlich stattfinden soll, bekommen. Da in unserem Stadtteil in Leipzig alle Physiotherapeuten relativ voll sind, ist mein erster Termin also am 19.10. und ich bin sehr gespannt darauf, was passiert und ob es hilft.

Zusammenfassend kann man sagen, dass es Zeit wird, dass die Uni wieder beginnt und ich aus meiner verdammten Komfortzone herauskomme. Ich weiß selber, dass ich mich im Moment zu sehr bemitleide und mich mehr oder weniger gehen lasse. Ich habe die Hoffnung, dass das ab nächster Woche im gewohnten Umfeld besser wird.
Aber solche depressiven und unzufriedenen Phasen hat jeder mal und ich glaube, dass ich mir das ab und zu erlauben darf. Solange es nicht zum Dauerzustand wird…

PS: Ihr fragt euch sicherlich, was der Titel zu bedeuten hat und wieso ich noch nichts dazu gesagt habe. Wir waren gestern mit der Hündin meiner Eltern beim Tierarzt und es wurde festgestellt, dass sie Muskelschwund hat.. Das ist leider nicht heilbar und auch nicht behandelbar, also noch etwas schlimmer als meine MS. Wenn ich daran denke, dass sie in der gleichen besch***enen Situation steckt, wie ich, muss ich mir meine Tränen wirklich verkneifen.

Es geht den Menschen wie den Leuten. Oder halt den Hunden…

 

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