Zweiundzwanzig

Wiedermal habe ich eine ganze Weile nicht von mir hören lassen.

Seitdem die Uni wieder begonnen hat (und das ist nicht einmal eine Woche her), bin ich nur unterwegs. In die Uni – zurück – in die Stadt – zurück – zum Freund auf Arbeit – zurück – und so weiter – und so fort.
Die Wege, die ich zurücklege(n muss) sind länger als die, die ich wahrscheinlich in den kompletten vergangenen 3 Monaten gelaufen bin. Aber das ist gut! Und irgendwie ist es zugleich befriedigend und erschreckend, wenn man Muskelkater in den Oberschenkeln hat – und zwar vom normalen Laufen.

Die Module und Inhalte im neuen Semester bzw. im neuen Studium sind (bisher) sehr interessant und spannend. Ich bin wirklich gespannt, wie lang meine Euphorie noch währt und ob ich zufrieden bleibe.

Mit dem Fitnessstudio hat es bisher noch nicht sooo gut geklappt. Anders gesagt: Ich habe es immer noch nicht geschafft, hinzugehen. Doch morgen Nachmittag treffe ich mich mit meinem besten Freund und wir gehen zusammen das erste Mal trainieren bzw. überhaupt erstmal das Studio kennenlernen. Und wo wir schon beim Thema Sport sind: Diese Woche Freitag beginnt auch meine Physiotherapie und ich bin wirklich gespannt, inwieweit sie meine Beine wieder hinbekommen. Ich merke deutlich, dass ich meinen Körper in den vergangenen Wochen vernachlässigt habe und muss somit mehre Pausen einlegen, als es eventuell vor 4 Monaten der Fall war. Aber ich bin optimistisch, dass sich das wieder einpegelt. Was bleibt denn auch sonst noch übrig neben dem Optimismus?

Wie ich gesehen habe, war die Besucheranzahl des Blogs am Mittwoch überproportional hoch. Und wie ihr euch denken könnt, hat der Titel dieses Eintrags etwas mit meinem Geburtstag zu tun.

Zweiundzwanzig.

Was soll ich großartig sagen? Ich habe zu diesem Anlass alle Freunde gesehen, die ich sehen wollte. Ob in der Uni, in Dessau oder bei uns in Leipzig. Meine bessere Hälfte war die ganze Zeit an meiner Seite, ich habe meine Familie gesehen und wurde von hinten bis vorne mit Glückwünschen und ernst gemeinten lieben Worten überschüttet. Ich hätte es mir fast nicht anders vorstellen können.

Fast.

Es war der erste Geburtstag mit MS. Mit meiner Bratwurst. Meiner. Sie gehört zu mir. Natürlich merke ich sie jeden Tag und falls ich sie mal vergesse, gibt sie mir einen kurzen Impuls, damit ich mich doch an sie erinnere. Verständlich; niemand möchte vergessen werden.
Doch an diesem Tag denkt man irgendwie besonders stark an alles, was man in diesem Jahr durchgemacht hat. Meinen letzten Geburtstag habe ich schließlich noch in dem Glauben gefeiert, dass alles mit mir okay sei. Dass ich gesund sei. Bis auf die tauben Beine. Doch mit der Hoffnung, dass das alles schon irgendwie und irgendwann von alleine verschwindet.

Gott, war ich naiv.

Zu diesem Geburtstag allerdings war die Gewissheit da, dass es nicht einfach von alleine verschwindet. Doch ob ich deswegen unendlich traurig bin und den Kopf in den Sand stecke? Ach bitte, ihr kennt mich doch.

Ich habe in den letzten Wochen viel von anderen Erkrankten gelesen, die darüber gesprochen haben, was die MS ihnen alles Positives gebracht hat und mich gefragt, wie es denn bei mir aussieht.
So ganz offensichtlich ist das natürlich nicht. Was sollte schon gut an einer Krankheit sein, die dazu führt, dass das Immunsystem den eigenen Körper angreift?

Ich glaube, wenn ich ganz stark und genau darüber nachdenke, wird mir klar, dass ich mehr Acht auf mich gebe. Und weniger auf die Meinung der Anderen (Mein Freund wird, wenn er das liest, die Augen verdrehen. Er weiß, dass das nicht immer der Fall ist und ich oft nicht einfach darüber hinwegsehen kann, wenn sich jemand Fremdes ein falsches Urteil über mich bildet.).
Ich habe mal, ich glaube es ist gar nicht allzu lange her, einen Beitrag darüber geschrieben, worüber ich mir alles keine Gedanken machen muss und sollte.

Auch mit dem stolzen Alter von 22 Jahren muss ich mich selbst oft daran erinnern, dass es okay ist, nicht so zu sein, wie es andere eventuell von einem verlangen.

Weil ich selber doch für mich mit am Wichtigsten sein sollte, oder?
Falls es arroganter klingt, als es gemeint war, tut es mir leid.

Aber gebt Acht auf euch. Und lasst euch nichts von anderen vorschreiben (Außer es ist euer Chef. Oder die Polizei. Oder das Gesetz. Aber ansonsten bitte nicht. Naja, doch. Oder es ist eure Mama. Die dürfen das, egal wie alt man ist.). Wir selbst und unser Wohlergehen sollte uns mehr am Herzen liegen als die Meinung anderer.

Entschuldigt diesen Text; er erscheint mit jetzt ein wenig zu theatralisch. Aber das ist schon okay, glaube ich.

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