eine chronisch-entzündliche Erkrankung…

Im Januar 2016 merkte ich, dass meine Füße irgendwie eingeschlafen sind und nicht wieder ‚aufwachen‘ wollen. Also ging ich nach einer Weile zum Arzt, welcher mir sagt, dass es angeblich psychosomatische Schmerzen seien und ob ich denn innerhalb der Familie oder des Berufes irgendwelche Probleme habe. Als ich das verneinte, wurde mir eine Physiotherapie verschrieben, welche sich auf meine Bandscheibe konzentrieren sollte. Als ich dort sechs mal war, besserten sich meine Beschwerden und ich konnte wieder normal leben (wobei es mich zu diesem Zeitpunkt auch nicht sonderlich beeinträchtigt hat). Als es allerdings im Juni wieder los ging, dass ich nicht nur meine Füße, sondern auch meine Beine nicht mehr merkte, ging ich wieder zum Arzt. Dieser verschaffte mir nach einem wiederholten Verneinen von psychischen Problemen eine weitere Physiotherapie und einen Monat später eine Weitere, welche allerdings nicht mehr anschlug. So kam es, wie es kommen musste und mir ging es von Tag zu Tag schlechter. Nicht nur, dass ich immer weniger laufen konnte, sondern mein linkes Auge tat mir weh und konnte nicht mehr so richtig sehen. Da diese Probleme allerdings schnell wieder verschwanden, sagte ich den Augenarzttermin postum ab. Doch kaum ging es mir in einem Belangen besser, kam das nächste übel. Ich kam täglich von der Uni nach Hause und musste mich übergeben, da mir laufend übel war. Ohne, dass ich etwas besonderes gegessen hatte oder ähnliches. Ich ging also zum HNO-Arzt, da ich die Befürchtung hatte, dass etwas mit meinem Gleichgewichtssinn nicht stimmt. Ich hätte ja niemals gedacht, dass all diese Dinge miteinander zu tun haben. Nachdem ich nach einigen Tests von einer Physiotherapeutin auf Lagerungsschwindel therapiert wurde, meinte diese ganz nebenbei zu mir: ,,Aber wenn taube Beine dazu kommen, müssten sie mal einen Neurologen besuchen.“ Da ich diese zu diesem Zeitpunkt seit mittlerweile 9 Monaten hatte, tat ich das und bekam nach einigem Hin und Her recht schnell einen Termin bei einer sehr netten Neurologin. Nach einigen Tests, bei denen meine Nervenleitgeschwindigkeit geprüft und meine Reflexe und Fähigkeiten geprüft wurden, fiel sie gleich mit der Tür ins Haus und sagte: ,,Also nach all dem, was ich hier so sehe, liegt der dringende Verdacht der Multiplen Sklerose vor.“

 

Herzklopfen. Es wird schneller, immer schneller. Ich merke, wie schweißnass meine Hände sind. Bloß nicht weinen, Swenja. Bloß nicht schwach werden. Scheiße, jetzt passiert es doch. Reiß dich zusammen, du bist doch ein starkes Mädchen. Okay, ich kann es nicht mehr halten. Wie peinlich das ist. Jetzt noch im Wartezimmer deine Jacke holen. Alle starren dich an. ,,Auf Wiedersehen.“ Ich denke mir dabei, dass ich ja nun öfter hier sein werde. Die ganze Straßenbahnfahrt Tränen in den Augen. Ich kann keinen klaren Gedanken fassen. Wie soll es jetzt weitergehen? Lande ich sofort im Rollstuhl? Was macht diese Krankheit mit mir? Warum gerade jetzt? Jetzt, wo du bald für 6 Wochen nach England willst. Jetzt, wo in einem Monat deine ersten Prüfungen in der Uni sind. Okay, noch eine Haltestelle und du bist bei der Radiologie. Ein MRT vom Kopf, das wird schon nicht so schlimm sein, einen Termin zu machen. Hör auf zu heulen, du musst gleich mit der Dame am Empfang reden. Ich lege ihr die Überweisung hin, sie schaut in mein Gesicht und gibt mir einen Termin in 3 Tagen. Ich sehe ihr ihr Mitleid förmlich an. Jetzt endlich nach Hause, nur in die Arme deines Freundes. Die Blicke der Mitfahrer stechen mir direkt ins Herz. Sie denken sicherlich, dass ich gerade verlassen wurde oder jemand gestorben ist. Wenn die wüssten…

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