lernen, auf den eigenen Körper zu hören

Man neigt sehr dazu, sich einfach so weiter zu verhalten, wie man es gewohnt ist. Freunden beim Umzug zu helfen, heiße Bäder zu nehmen und lange Spaziergänge zu genießen. Doch recht schnell habe ich gemerkt, dass das einfach nicht mehr ohne Weiteres möglich ist. Ich merkte, dass ich, je mehr ich mich bewegt habe, weniger sehen konnte. Erst habe ich dies sehr leicht gemerkt. Als ich dann jedoch einer Freundin bei ihrem Umzug half, merkte ich, dass das fünfte mal Trepp-auf-Trepp-ab nicht so gut war. Meine Freunde merkten das natürlich auch und verbannten mich mit einem Glas Wasser auf den Stuhl. Schnell wurde es besser und ich durfte weiter helfen (allerdings nur leichte Dinge wie Bier oder Kuchen.. Naja, also war ich für das Wichtigste zuständig). Und dann fiel mir ein, dass ich erst kurz vorher mit meinem Freund ein heißes Bad nehmen wollte und dies nach 3 Minuten abbrechen musste, da mir schwarz vor Augen wurde und sehr übel. Langsam wurde mir klar, dass das irgendwie zusammenhängen muss.

Heute morgen erst schrieb ich mit einer jungen Dame, die ich am Anfang meiner Diagnose über’s Internet kennengelernt habe. Diese ist leider Gottes auch an MS erkrankt und das schon etwas länger als ich und kann mir somit ein paar Tipps, Kniffe und Erfahrungsberichte mit Medikamenten geben. So schrieb sie mir, dass dieses Gefühl, das ich nach Anstrengung habe als Uhthoff-Phänomen bezeichnet wird. Zum Glück gibt es Dr. Google und was ich da sah, las sich wie ein Eintrag aus meinem eigenen Tagebuch.

Als Uhthoff-Phänomen im ursprünglichen Sinne wird eine nach körperlicher Anstrengung auftretende vorübergehende Verschlechterung der Sehschärfe bei der Multiplen Sklerose (MS) bezeichnet. Das Phänomen wurde von dem Augenarzt Wilhelm Uhthoff (1853–1927) erstmals beschrieben.[1] Zugrunde liegt eine reversible Blockierung der Leitfähigkeit des vorgeschädigten Sehnervs als Folge einer Erhöhung der Körpertemperatur.

Als Uhthoff-Phänomen im weiteren Sinne wird auch die vorübergehende Verschlechterung neurologischer MS-Symptome bei einer Erhöhung der Körpertemperatur (z. B. bei Fieber, heißen Bädern oder in der Sauna) bezeichnet. Betroffen sind mehr als 80 % der an MS Erkrankten. Als Ursache wird auch hier eine temperaturbedingte Verschlechterung der Leitfähigkeit demyelinisierter Axone angenommen. Das Uhthoff-Phänomen kann auch bei anderen demyelinisierenden Erkrankungen auftreten.

Okay, gut zu wissen. Also habe ich wenigstens ab heute eine gute Ausrede, keinen Sport zu machen.

Nein, Spaß beiseite. Es ist schon gut zu wissen, dass ich mir das nicht einbilde und dass ich auch nicht die Einzige mit diesen Beschwerden bin, sondern dass es auch noch andere Erkrankte gibt, die das mit mir teilen. Weiterhin schreibt Google:

Eine Verschlechterung des Zustandes von MS-Patienten aufgrund von Hitze oder Anstrengung wird auch als Pseudoschub bezeichnet.

Man lernt wirklich jeden Tag mehr, warum Multiple Sklerose als Krankheit mit den tausend Gesichtern genannt wird. Ich bin gespannt, wie viele davon ich noch kennenlernen darf. Ich hoffe allerdings, dass es nicht mehr so viele sein werden.

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